Am 13. März meldet die Tagesschau Folgendes:
„USA erlauben vorübergehend den Kauf russischen Öls.“

Eine unscheinbare Meldung. Ein einziger Satz. Und doch genügt er, um im Inneren jener Menschen tektonische Verschiebungen auszulösen, die nicht nur pflichtbewusst ihre Rundfunkgebühren entrichten, sondern sich auch täglich von ARD und ZDF moralisch einordnen lassen.

Der gewohnte Seelenfrieden gerät ins Schlingern. Denn plötzlich soll es für 30 Tage erlaubt sein, den letzten noch amtierenden Satan in Gestalt Wladimir Putins indirekt zu unterstützen. Und zwar durch etwas so Banales wie Benzin.

Drei Jahre lang war die Lage übersichtlich: Hier das Gute, dort das Böse. Der Kreml galt als kremlnell. Hier der Tankrabatt des Gewissens, dort der moralische Totalboykott.

Und nun das. Dreißig Tage Ausnahmezustand. Dreißig Tage moralische Wartungspause.

Das kann, das darf nicht sein. Auch nicht, wenn der Anlass ein ganz profanes logistisches Problem ist: Öltanker, die wegen der Lage in der Strafe von Hormus plötzlich nicht mehr so zuverlässig durch die Gegend schippern wie vorgesehen.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: aufhören zu tanken.

Zumindest so lange, bis wieder gutes Öl aus den stabilen Vorzeigedemokratien am Golf verfügbar ist. Öl mit sauberer Gesinnung. Öl mit demokratischem Duft.

Leider ist die Sache komplizierter. Aus Erdöl wird nämlich nicht nur Benzin oder Diesel hergestellt, sondern auch Kunststoffe, Medikamente, Kleidung, Verpackungen. Sogar Lippenstift.

Kayvan geht daher mit gutem Beispiel voran und verzichtet ab sofort demonstrativ auf Lippenstift. Man muss schließlich irgendwo anfangen, wenn man verhindern will, dass in Moskau der Rubel rollt.

Die Lage bleibt unerquicklich.

In solchen Momenten hilft nur der digitale Beichtstuhl. Der digitale Psychoanalytiker Dr. ChatGPT nimmt sich die Zeit. In seiner Cloud kann die aufgewühlte Seele ihr Dilemma abladen, sich moralisch neu justieren und schließlich wieder zu innerer Stabilität finden.

Denn morgen früh muss man schließlich pünktlich an der Stanze eines Rüstungskonzerns stehen. Und auch dort gilt: Irgendjemand muss ja die Werte verteidigen.