Was bedeutet Verantwortung übernehmen?

Es bedeutet, den eigenen Worten Taten folgen zu lassen.
Es bedeutet, das laut auszusprechen, was man für dringend klärungsbedürftig hält – selbst wenn es unangenehm ist.

Verantwortung heißt, sich dem Wind zu stellen. Mit einer übergroßen Taschenlampe in einen Sumpf zu leuchten, der über Jahre trocken gelegt hätte werden müssen. So lange, bis sichtbar wird, was man zuvor nicht sehen wollte.

Das hat Konsequenzen.
Es birgt Risiko.

Denn wer Staub aufwirbelt, stört jene, die ihre Macht daraus beziehen, im Halbdunkel zu agieren. Unsichtbarkeit ist eine Form von Schutz. Und wenn dieser Schutz bröckelt, folgt ein Reflex. Abwehr. Diskreditierung. Empörung über denjenigen, der fragt.

Damit muss man rechnen.

Werden wir konkret.

Es gab Zeiten, da wurde in Deutschland der Karneval abgesagt, weil zeitgleich ein Krieg ausbrach. Man hielt Feiern für unangebracht. Man kannte so etwas wie kollektive Pietät.

Die Veröffentlichung von Millionen Dokumenten im Zusammenhang mit dem Epstein-Komplex hatte diesen Effekt nicht.
Kein Innehalten. Kein Stillstand.
The show must go on.

Dabei stehen im Raum – ich betone: im Raum – schwerste Vorwürfe. Systematischer sexueller Missbrauch Minderjähriger. Netzwerke von Einfluss und Schweigen. Und in manchen Diskursräumen kursieren noch weitergehende Anschuldigungen: satanistische Rituale, Kannibalismus, kultartige Strukturen.

Ob diese extremen Behauptungen belastbar sind oder Teil einer sich verselbstständigenden Erzählung – genau das müsste aufgeklärt werden. Transparenz wäre das Minimum.

Doch stattdessen herrscht ein eigenartiger Normalbetrieb.

Reichen die dokumentierten Missbrauchsvorwürfe nicht aus, um zumindest institutionell auf Pause zu drücken? Reicht die Möglichkeit organisierter Verbrechen in höchsten Kreisen nicht, um den großen roten Stoppknopf zu suchen?

Oder ist das, was wir Ordnung nennen, längst Gewöhnung?

Verantwortung übernehmen hieße in diesem Kontext:
Nicht vorschnell urteilen.
Aber auch nicht vorschnell wegsehen.

Den Sumpf trockenlegen.
Nicht behaupten, er sei ein Park.

Darum geht es.


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